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23. September 2026

Postpartale Depression: Die Erschöpfung, über die niemand spricht

Eine Geburt soll ein Glücksmoment sein. Das ist die Erwartung – der Gesellschaft, der Familie, manchmal auch der eigenen. Wenn dann stattdessen Leere, Erschöpfung, Angst oder Gleichgültigkeit kommen, fühlen sich viele Mütter schuldig. Sie schweigen. Und das Schweigen macht es schlimmer.

Was postpartale Depression ist – und was sie nicht ist

Etwa 50 bis 80 Prozent aller Mütter erleben in den ersten Tagen nach der Geburt den sogenannten „Baby Blues" – Stimmungsschwankungen, Weinen, Erschöpfung, die durch den hormonellen Einbruch nach der Geburt entstehen. Das ist normal und vergeht meist innerhalb einer Woche.

Postpartale Depression ist etwas anderes. Sie beginnt oft erst Wochen nach der Geburt, manchmal auch erst nach Monaten, und hält an. Betroffene fühlen sich unfähig, sich um ihr Kind zu kümmern – oder sie kümmern sich, aber ohne Freude, ohne Verbindung, mit einem Gefühl der inneren Leere. Manche entwickeln intensive Ängste: Was, wenn dem Kind etwas passiert? Was, wenn ich etwas falsch mache?

Wie häufig ist postpartale Depression?

Zwischen zehn und fünfzehn Prozent aller Mütter entwickeln nach einer Geburt eine klinisch relevante postpartale Depression. Das sind in Deutschland Zehntausende von Frauen jährlich. Und: Auch Väter können betroffen sein – mit einer Häufigkeit von vier bis zehn Prozent, ebenfalls oft unerkannt.

Warum Betroffene schweigen

Die Erwartung, glücklich sein zu müssen, ist einer der stärksten Faktoren. Wer zugibt, sich nicht über das eigene Kind zu freuen, fürchtet Unverständnis, Verurteilung oder gar Konsequenzen. Das Gegenteil ist wahr: Hilfe zu suchen ist das Verantwortungsvollste, was man in dieser Situation tun kann – für sich selbst und für das Kind.

Was Anzeichen einer postpartalen Depression sein können

Wie Behandlung aussieht

Psychotherapie – besonders kognitive Verhaltenstherapie – ist gut wirksam. In schwereren Fällen kann eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein, auch während der Stillzeit, wenn das Medikament dafür geeignet ist. Der Hausarzt oder die Hebamme sind oft der erste Anlaufpunkt. Manchmal hilft es auch, sich einer Selbsthilfegruppe für betroffene Mütter anzuschließen.

Wenn Sie nach einer Geburt das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt – vertrauen Sie diesem Gefühl. Über Therapie Direkt können Sie sich unkompliziert auf die Warteliste für eine Psychotherapie eintragen.

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